Ille Benkmann 12.05.1933 – 17.09.2021

Ille trat 1946 nach einer Lungen-TBC auf dringende Empfehlung, Sport zu treiben, in den HRC ein und lernte von Adi Mann und Gertrud Wopersnow das Rudern. Das war offensichtlich erfolgreich, denn schon ein Jahr später begann sie unter der Leitung von Rose Renk ein Training, um nach einigen Regatten in der Umgebung am 20.6.1948 am Tag der Währungsreform bei der Großen Hamburger Regatta im Juniorendoppelvierer den 100. Clubsieg einzufahren. Sie trainierte mit wechselndem Erfolg bis 1953 und schaffte dabei 1949 den 106. Clubsieg. Das Training wurde seitdem von Erika Stöck geleitet. Nach ihrer Heirat 1958 verließ Ille den HRC.

Der Gedanke an das Rudern hatte sie aber nicht verlassen. So trat Ille Benkmann 1976 wieder ein, baute die Montag-Abend-Runde auf und bildete bis 1988 unter der Leitung von Marthel Ramming, später auch Ingeborg Arntzen, Anfängerinnen aus. Dank größerer zeitlicher Flexibilität übernahm sie 1990 die Leitung der Ausbildung und blieb weiter dabei, auch als sie zwei Jahre später diese Aufgabe an Hannelore Höfer abgab. Ille war eine gute, wenn auch strenge Lehrmeisterin. Mit Nachlässigkeiten konnte sie nur schlecht umgehen. Diejenigen aber, die erfolgreich durch ihre Schule gegangen waren, konnten dann auch wirklich gut rudern.

1992 wurde Ille Benkmann als stellvertretende Vorsitzende gewählt, ein Amt, das sie genau 10 Jahre lang ausfüllte. Sie kümmerte sich erfolgreich um die interne Kommunikation, hatte Verbindung zu allen Gruppen. Da sie ohnehin häufig im Bootshaus war und gern mit anderen redete, kam ihr diese Aufgabenverteilung entgegen. Der Vorstand wusste jeweils sehr schnell und direkt, wenn es irgendwo knirschte.

Ille ist selbst gern gerudert, bei jedem Wetter, immer, eine Zeit lang zusätzlich auch noch beim ARV Hanseat. Über mehrere Jahre war sie unsere Kilometerkönigin, gelegentlich übertroffen nur von Trainingsruderinnen. Sie hat Wanderfahrten des HRC organisiert, war Obfrau und hat sich an Gemeinschaftsfahrten des DRV beteiligt. Hier war sie eine gute Botschafterin des HRC und in Wanderrudererkreisen bekannt wie ein „bunter Hund“. Sie hat an der Voga Longa in Venedig teilgenommen, und es gibt kaum ein europäisches Gewässer, das sie nicht befahren hat. Ihre ruderische Lebensleistung spiegelt sich wider im zweimaligen Gewinn des Äquatorpreises. Darauf war sie zu Recht sehr stolz. Ille selbst hat mal ihre Gesamtkilometerleistung bis zum 6.4.2015 zusammengerechnet und kam dabei auf beachtliche 80.397 km.

Aber nicht das allein wird uns in Erinnerung bleiben. Ille Benkmann war eine überaus großzügige Spenderin. Im Jahr 2007 hat sie die Ruderinnen- Stiftung errichtet und mit einem Stiftungskapital ausgestattet. Die Erträgnisse kommen dauerhaft dem HRC zugute. Darüber hinaus hat sie immer wieder Geld für Boote gegeben, zuletzt gleich für mehrere Einer, ​u.a. auch für die Kinder- und Jugendabteilung. Ausdrücklich für Kinder und Jugendliche spenden konnte Ille erst am Ende ihres Lebens, zu tief saß der Schmerz, einen Sohn mit einer Behinderung zu haben, der es niemals schaffen würde, in ein Ruderboot zu steigen. Um Thomas hat sie sich intensiv gekümmert und sich zusätzlich in der Stiftung Alsterdorf engagiert, um die Lebensbedingungen für andere Bewohnerinnen und Bewohner und für ihn zu verbessern.

Ille Benkmann war eine bemerkenswerte Frau mit klaren Vorstellungen. Sie war stolz darauf, ihr Leben selbstbestimmt gemeistert zu haben. In der letzten Zeit konnte sie nicht mehr ins Boot steigen und litt unter Schmerzen. Die Vorstellung, pflegebedürftig und von anderen abhängig zu sein, konnte sie nicht ertragen.

Wir werden sie vermissen.

Angela Braasch-Eggert